Alto Adige

Ein sanfter Ruck. Und schon die Gondel nach oben. Lachen. Wortfetzen. Deutsche, italienische, ladinische wahrscheinlich auch dabei. Eine Seniorengruppe. Alle mit Rucksack. Noch früh am Morgen. Kurz nach neun erst. In Bozen. Oder doch schon gegen zehn?

Ein kurzer Blick nach unten. So schnell die Bahn über den ersten Hang. Die Berge, sie leuchten um die Wette. Haben auf uns gewartet. Fangen das Sonnenlicht auf und werfen es uns lachend zu. Wollen mit uns spielen. Die Sonne sprüht jetzt goldenen Schaum auf die Wälder des Ritten. Ein Gemälde aus saftigem Grün und Sonnenschaum. Jeden Pinselstrich muss man sich merken. Im Kopf abmalen. Immer und immer wieder. Und sich an die Sommer der Kindheit erinnern.

Gestern erst losgefahren – von Düsseldorf aus. Mit dem Autozug. Das dritte Mal bereits. Schon fast Tradition. Das Rattern noch in den Ohren. Klingt leise nach. Will bei uns bleiben. Uns erzählen von den durchquerten Landschaften, den Bergen und Flüssen, dem Rheintal. In Hattersheim ein sanfter Abendwind. Und Brombeeren. Riesige Sträucher. Die Früchte ganz schwarz. Reif. Süß. Eine ganze Tüte voll gesammelt. Fumie, Julia, Maria und ich. Noch vor Einbruch der Nacht.

 

 

Die Kabinentür jetzt offen. Alle nach draussen. Die einen ins Café, die anderen weiter nach Klobenstein. Von Ferne fröhlich bimmelnde Kuhglocken. Wollen jetzt laufen. An der Kapelle vorbei und dem Jesuskreuz. Erst Restaurants noch, dann die Gesichter der Gehöfte. Bauern auf den Wiesen. Bei der Arbeit. Ernten Heu. Wie die Luft schmeckt!

Müssen tief durchatmen. Die Sonne, die Berge, die Wiesen und Blumen, Grillenzirpen. Kribbelnde Vorfreude im Bauch. Werden baden. Werden wandern. Auf der Seiser Alm. In Kaltern. In Gröden. Werden Seilbahn fahren. Jeden Tag mindestens eine. Alles auch von oben anschauen. Jedes Dorf, jede Kirche, jeden Bach. Glückliche Momente sammeln. Im Kopf. Und im Herzen. Alles für später aufheben. In einer großen Schatzkiste. Später dann immer wieder zurückkehren. Und wissen, wer wir selbst sind.

 

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