I-O-U

Neulich ging ich (Frank hier) im Meerbuscher Forst spazieren. Eine Seniorengruppe überholte mich, ein fröhliches Staccato von Walking-Stöcken. Aus ihrer Unterhaltung wehte ein Satz zu mir herüber: „Ja früher, da war alles besser!“

Eine Phrase, sicher – aber was für eine! Ich musste diese sofort verproben. Schließlich leben wir in Zeiten einer Staatsschuldenkrise. Und spätestens seit der partiellen Enteignung zypriotischer Sparer dämmert es wohl jedem normal­belichteten Mitteleuropäer, dass sich die Zeiten radikal geändert haben.

Flash. Die Banken passen auf die Einlagen der Sparer auf und diese können sich darauf verlassen, dass die Höhe der Zinsen der allgemeinen Preissteigerung zumindest Paroli bieten können. Flash. Von staatsbedrohenden Schuldenbergen und finanziellen Massenvernichtungswaffen keine Spur. Flash. Lebe ich etwa in einer mich einlullenden Matrix?

Während ich diese Zeilen schreibe: Am nachmittäglichen Himmel nur die gleißende Sonne – und einige Haufenwolken. Ich kneife die Augen zusammen, um etwaige Details auf der azurblauen Projektionsfläche zu finden. Aber siehe – sie fehlen: die Pixelfehler. Wie herrlich kann doch unser analoger Kosmos sein!

Ich träume also nicht – und so bleibt es dabei: Mein Vertrauen in die Banken ist damit eine Sache von gestern. Davon kann mich auch der alllabernder Werbespot eines großen deutschen Kreditinstituts nicht abbringen.

 

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Dass die mit allerlei Zahlen und Signaturen verzierten, bunt bedruckten Papierchen eine gehörige Portion Vertrauen verlangen, davon zeugt das Foto aus der Zeit der letzten Hyperinflation. Von dem Gegenwert dieses Geldscheins konnten sich meine Großeltern kaum mehr als ein Laib Brot kaufen.

Früher war also nicht unbedingt alles besser, aber es ist unsere Chance, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen! Und zu erkennen: Geld ist eine Illusion. In diesem Sinne bin ich sehr dankbar für die Anregung, die ich en passant von den flotten Alten erhielt…

 

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